Buchmarkt-Artikel Deutsche Bibelgesellschaft / Neue Erlebniswelten bauen

Interview mit dem „Buchmarkt“

In der Zeitschrift „Buchmarkt“ ist als Ergebnis eines Telefon-Interviews mit Generalsekretär Dr. Chris-toph Rösel und dem Kaufmännischen und Verlege-rischen Leiter Reiner Hellwig ein Artikel zur Deut-schen Bibelgesellschaft erschienen.

Ein Theologe, der aus der Wissenschaft kommt, wird Generalsekretär und soll die verlegerische Arbeit marktgerecht vorantreiben. Ein studierter Jurist, der eine Buchhandlung gekauft und konsolidiert hat und über die Vertriebsarbeit bis in die Verlagsspitze viele Positionen gesehen hat, wird kaufmännischer und verlegerischer Leiter beim Weltmarktführer für Bibelübersetzungen. Können solche Gegensätze unter einem Dach zusammenarbeiten?

Es geht um das Dach der Deutschen Bibelgesellschaft (DBG). Am Freitag, den 11. April, wurden Dr. Christoph Rösel und Reiner Hellwig mit einem Festgottesdienst in ihre Ämter eingeführt. Der habilitierte Theologe und der Jurist bilden bereits seit Anfang April das neue Führungsduo im operativen Geschäft der DBG.

„Wir ergänzen uns sehr gut. Wir bilden jeweils eine günstige Erweiterung. Ich habe schon alles in der Branche erlebt, er bringt einen Blick von außen mit“, sagt Hellwig. Erlebt haben beide etwas.

Hellwig hat nach dem zweiten Staatsexamen eine Buchhandlung übernommen und konsolidiert. Parallel war er als Rechtsanwalt zugelassen. Nach sieben Jahren hat er das Geschäft gesund verkauft („Die Buchhandlung erfreut sich auch heute noch bester Gesundheit, meine Nachfolgerin macht das sehr gut“), war für KNV als Kundenbetreuer in Nordbayern und Berlin unterwegs, war beim Datenbankportal juris Key Account Manager, wurde Geschäftsführer von drei Standorten bei Schweitzer Fachinformationen und war zuletzt kaufmännischer Leiter beim Thienemann Verlag.

Rösel hat erst in St. Chrischona bei Basel Theologie studiert und war Prediger in der Stadtmission Lich, ging dann noch einmal zum Studium nach Marburg und promovierte dort. Er absolvierte ein Studium der Erwachsenenbildung in Kaiserslautern und wurde in Marburg in Ev. Theologie habilitiert. Er lehrte Altes Testament an der Ev. Hochschule TABOR in Marburg. „Ich war auch in der Hochschulverwaltung, knappe Finanzen sind mir nicht unbekannt und das war eine private Hochschule, die am Markt bestehen muss“, so Rösel.

Beide haben es in der DBG mit mehr als nur einem Verlag zu tun. Die DBG ist eine Stiftung mit einer klaren Aufgabe: Sie soll die Verbreitung der Bibel und das Bibellesen in aller Welt fördern. Doch beide wissen auch: Je mehr Erfolge sie mit den Produkten am Markt haben, desto unabhängiger von Spendengeldern können sie agieren.

Crosschannel bezieht sich also nicht nur um die Kanäle Lesen von Gedrucktem oder Elektronischem, sondern auch um eine Vielzahl von Fördermaßnahmen, die koordiniert werden müssen. Nun überlegen sie, wie sie das Programm des Verlags strategisch noch einmal anders ausrichten können.

Dabei lässt Hellwig durchblicken, warum das nötig ist: „Die Basisbibel hat noch nicht den Erfolg, den wir uns erhoffen. Gestalterisch sind wir gut im Rennen und haben viele Preise bekommen, aber die Verkaufszahlen befriedigen uns noch nicht“, sagt er. Von der Bibelausgabe, die für das Lesen im Internet neu übersetzt wurde, liegen derzeit bereits das Neue Testament und die Psalmen vor.

Möglicherweise sind die Käufer noch zurückhaltend, weil sie auf die vollständige Bibel warten. „Es gab noch keine großen Marketing- und Vertriebsaktionen“, so Rösel. Wann genau die Übersetzung des Alten Testaments fertig sein wird, ist noch offen. Geplant ist ein Termin in 4-5 Jahren.

Hellwig deutet an, in welche Richtung die weiteren Vermarktungsstrategien gehen könnten: „Wir könnten uns auf funktionierende Produkte fokussieren und drumherum eine Erlebniswelt aufbauen.“ Und Rösel sieht dafür schon bestehende Ansätze: „Es gibt vor Ort eine Reihe von Bibelmuseen wie in Frankfurt, Meersburg oder die Werkstatt Bibel in Dortmund.“

Größtes Projekt ist derzeit für die DBG, die die weltweit maßgeblichen Urtextausgaben für Altes (hebräisch) und Neues Testament (griechisch) herausgibt, die Durchsicht der Lutherbibel. Rösel, der an der Universität Marburg weiterhin Privatdozent für Altes Testament ist, hat im Bereich seines Spezialgebietes, der Propheten, in der Kommission zur Durchsicht mitgearbeitet.

Dass diese Bibel in Zukunft als Luther 2017 zitiert wird, ist der größte Stolz der Beteiligten. „Es bleibt eine klassische Lutherbibel, aber neueste Erkenntnisse sollen berücksichtigt werden. Nicht geben wird es eine sprachliche Modernisierung“, kann Rösel jetzt schon zur Übersetzungsrichtung sagen. „Dafür haben wir zum Beispiel die Gute Nachricht Bibel im Programm.“

Damit spielt er auf die Revision von 1975 an, die auch sprachlich angepasst wurde und deshalb umstritten blieb. So deutet sich an, dass sich die Luther 2017 auch wieder stärker an der Sprache ihres Übersetzungsurhebers orientieren wird.

Im Herbstprogramm 2016 soll das Jubiläumswerk ihren Verkaufsstart feiern, damit sie im folgenden Jahr zur 500. Jahrfeier des Anschlags der Thesen von Martin Luther auf dem Markt ist. Bis dahin darf man darauf gespannt sein, in welcher Gestaltung eine Traditionsbibel in heutiger Zeit daherkommen wird.

„Sie ist ein moderner Klassiker und uns liegt daran, dass sie in einer zeitgemäßen Ausstattung daher kommt. Wir sind derzeit dabei, mit renommierten Persönlichkeiten in der Gestaltung zusammenzuarbeiten“, berichtet Rösel. Die Richtung ist klar: „Es soll ein wertvolles Buch sein, das aber auch Lust zum Lesen macht.“ Erste Entwürfe habe er schon gesehen. „Ich habe den Eindruck, die Bibel wird jeder gern in die Hand nehmen“, ist Rösel überzeugt.

Auch die neue Lutherbibel soll ein crossmediales Produkt werden, verspricht er. Da werden wohl die Erfahrungen mit der Basisbibel einfließen. Aber „wie konkret das sein wird, da sind wir noch in der Ideen- und Planungsphase“, so Rösel. Und da können der branchenerfahrene Jurist und der wissenschaftliche Theologe ihre Erfahrungen aufeinandertreffen und die Funken sprühen lassen.

Matthias Koeffler

DBG Briefvorlage