„Frauen in der Reformationszeit“ – Ostfriesische Bibelgesellschaft tagte mit Regionalbischof Klahr in Emden

Emden. Ostfriesland. Auf Einladung ihres Vorsitzenden Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr traf sich die Ostfriesische Bibelgesellschaft (OBG) zur jährlichen Vorstandssitzung und anschließenden Mitgliederversammlung in der Landessuperintendentur in Emden.

„Eins ist völlig klar, ohne die Beteiligung mutiger Frauen wäre die Reformation anders verlaufen. Es ist an der Zeit, dies auch deutlich herauszustellen“, sagte der Regionalbischof für den Sprengel Ostfriesland-Ems. Klahr begrüßte Roswitha Homann zum Vortrag über Frauen in der Reformationszeit und freute sich, dass die nun im Ruhestand befindliche Grundschullehrerin aus Norden einen Einblick in ihre Forschungen gab.

Alwin Pfanne, Geschäftsführer der OBG aus Aurich, blickte in seinem Bericht auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Als herausragendes Ereignis nannte Pfanne die gemeinsame Veranstaltung des Evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems und der Evangelisch-reformierten Kirche am 31. Oktober 2016 mit 300 Gästen in der Johannes a Lasco-Bibliothek Emden zur Vorstellung der Lutherbibel 2017. Pfanne berichtete von der Beteiligung am Ostfriesischen Kirchentag in Rhauderfehn und dankte Dr. Klahr dafür, dass er mit seinen Vortragsveranstaltungen die OBG unterstützt.

Zukünftige Projekte wurden verabredet: Unter anderem werden mit Bibelworten versehene Postkarten mit ostfriesischen Motiven gedruckt und in Kirchen und Gemeindehäusern auf den Inseln und den Küstenbadeorten ausgelegt. Außerdem soll über eine Tafel Kindern Bibelbilderbücher mit der Weihnachtsgeschichte und einer Süßigkeit überreicht werden.

Frauen in der Reformationszeit

Roswitha Homann aus Norden ließ auf Grundlage historischer Quellen einige Frauen der Reformationszeit selbst ihre Geschichte erzählen. So brachte sie auf anschauliche Weise Umbrüche der Reformation zur Sprache.

Die drei Reformatoren aus Wittenberg, Johannes Bugenhagen, Philipp Melanchthon und Martin Luther, heirateten ehemalige Nonnen. Die Ehefrauen sorgten für die Familie, den Haushalt und die Gesundheit ihrer Männer, waren gebildet und für ihre Männer ernstzunehmende Gesprächspartnerinnen.

Eine Pfarrfrau, die ihrem Mann sogar mit Schrift und Tat zur Seite stand, war Katharina Zell (1497/98 – 1562), eine Straßburger Handwerkertochter, Bürgerin der freien Reichsstadt, die mit guter Bildung aufgewachsen war. Im aufgeschlossenen und toleranten Straßburg gab es schon früh Mädchenschulen. 1523 heiratete sie Matthias Zell, den ersten Pfarrer im Straßburger Münster, der bereits seit 1518 evangelisch predigte. „Es war das erste Mal, dass eine Bürgerstochter die Ehe mit einem Priester einging; denn die anderen Ehefrauen der Reformatoren waren häufig ehemalige Nonnen“, so Homann.

„Man könnte sie die erste Pastorin nennen, denn sie hielt selbst Predigten. Ihre Leichenreden waren bei Beerdigungen ausdrücklich erwünscht, sie schrieb Briefe an Menschen, die sie trösten wollte. Sie schrieb Protestbriefe gegen ihren Ausschluss aus der Kirche an den Bischof, bis er es ihr verbot“, berichtete die Referentin.

Katharina Zell wurde von den gleichen Fragen wie Luther umgetrieben: Trotz frommer Werke empfand sie keinen Trost und war sich der Liebe Gottes nicht sicher. Seit 1523 wechselte sie Briefe mit Martin Luther.

Katharina Zell ließ einen Trostbrief an 150 Frauen in Kenzingen drucken, deren Ehemänner wegen ihres evangelischen Glaubens nach Straßburg geflohen waren. Sie kümmerte sich um deren Versorgung und pflegte Kranke.

Der Lebenslauf der Katharina Zell zeigt, dass Flüchtlingsströme durch die Reformation ausgelöst wurden. Es gab viele heimatlose Menschen, die sich mit dem Diktat des Glaubens in ihrer Heimat nicht abfinden konnten und ins Exil gingen. Frauen beteiligten sich auch an großen Protestaktionen: 1522 protestierten 50 Frauen in Basel gegen die Entlassung ihres protestantischen Predigers, 70 Jahre später zogen im schlesischen Liegnitz sogar 300 Frauen zum herzoglichen Schloss, um die Ausweisung eines als Calvinisten verdächtigten Pfarrers zu verhindern. Im schlesischen Löwenberg waren es die Frauen, die sich am stärksten gegen die Rekatholisierung wehrten.

Zusammenfassend sagte die Referentin: „Die protestantischen Frauen, seien sie Pfarrfrauen, adelige oder bürgerliche Frauen, hatten teil an der Diskussion während des Umbruchs in der Reformation. Besonders mit Hilfe des Buchdrucks traten sie deutlich hervor, wurden gelesen oder gehört. Allerdings erfüllten sich ihre Hoffnungen, selbst Predigerin werden zu können, nicht. Nur als Ehefrauen waren ihnen Freiräume gewährt.“

Ostfriesland hatte mit Gräfin Anna eine entschiedene Protestantin, die sich sehr für den inneren Frieden ihres Landes einsetzte und sich um das friedliche Miteinander von Lutheranern, Calvinisten und Katholiken bemühte. Unter ihrer Herrschaft wurde Johannes a Lasco Superintendent in Emden und sie setzte einen evangelisch-reformierten Kirchenrat ein.

Die Ostfriesische Bibelgesellschaft e.V. (OBG)

Die Ostfriesische Bibelgesellschaft ist Partner der Deutschen Bibelgesellschaft und fördert die Verbreitung und den Gebrauch der Bibel in Ostfriesland nach dem Motto „Mitten im Leben – wir bringen die Bibel zu den Menschen“. Mitglieder der OBG sind Einzelpersonen, evangelisch-lutherische und evangelisch-reformierte Kirchengemeinden in Ostfriesland.

BU: (Foto: Hannegreth Grundmann)

Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (rechts) und Alwin Pfanne, Geschäftsführer der Ostfriesischen Bibelgesellschaft, begrüßten Roswitha Homann aus Norden zum Vortrag in der Landessuperintendentur in Emden.